Sehen & Hören
Vorrangig einer Legasthenie, sind die verschiedenen Wahrnehmungsproblematiken, die bei vielen Legasthenikern festgestellt werden konnten.
Betrachtet man den visuellen Kanal der maßgeblich über die Augen gesteuert wird, so kann folgendes festgehalten werden:
Wissenschaftliche Studien belegen
- 75% Legasthene Kinder schneiden in Testverfahren, die eine rasche visuelle Informationsverarbeitung benötigen schlechter ab
- Zuständig fuer die Wahrnehmung sind die Kerngebiete des „gyrus angularis“ und hierbei insbesondere die seitlichen Kniehöcker
- Der seitliche Kniehöcker (Corpus geniculatum laterale, CGL) ist ein Kerngebiet, in dem etwa 90% der Neurone des Sehnervs (Nervus opticus) enden. Sie werden hier auf das nächste Neuron umgeschaltet und die eingehenden Informationen auf andere Gehirnteile verteilt, u. a. zum visuellen Cortex und zu den motorischen Kernen der Augenmuskelnerven im Mittelhirn. Er ist damit die wichtigste Umschaltstation der Sehbahn
- Die großen Zellen sind Farbenblind und empfindlich fuer schwache Kontraste; sie verarbeiten rasch aufeinander folgende Seheindrücke
- Die kleinen Zellen im Kniehöcker verarbeiten Farben, starke Kontraste und lang anhaltende Sehreize; auch räumliches Sehen.
- Bei schnellen bewegten Reizen, mit niedrigem Kontrast schneiden legasthene Menschen im vgl. zu anderen Menschen deutlich schlechter ab (Livingstone u. a. 1991)
Sind die Buchstaben und Worte, aufgrund der Druckqualitäten von Büchern, Umweltbedingungen usw. so ungünstig dargestellt, dass sich schwache Kontraste ergeben, so ist die Fähigkeit von Legasthenikern die eine Wahrnehmungsproblematik im visuellen Bereich haben eingeschränkt. Vor allem aber betrifft dies schnelle Reize, wie die Texttafeln, die an Fahrzeugen angebracht sind, Reklametafeln an Bahnhöfen (wenn z. B. der legasthene Mensch im Zug sitzt) aber auch die schnellen und vor allem kontrastarmen Texte, die in der Schule mit dem Projektor an die Wand geworfen werden. Viele legasthene Menschen sehen diese Bilder und Texte als verschwommene, gekreiste oder andersartig veränderte Darstellungen, die ein korrektes Lesen nicht möglich machen. Durch die fehlerhafte Speicherung der Wörter (Buchstaben) kann kein Bild repliziert werden. Eine korrekte Codierung ist daher vorrangig wichtig, um die richtigen Buchstaben in der richtigen Reihenfolge (Serialität) replizieren zu können.

